Michael Heussler | Die Wassertalbahn im Winter 2016 - Teil 1

Die Wassertalbahn im Winter 2016 - Teil 1

January 21, 2017  •  Kommentar schreiben

Ein Besuch der letzten "echten" Waldbahn Rumäniens - Teil 1

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Mittlerweile zum sechsten Mal steht in der ersten Februarwoche 2016 der schon traditionelle alljährliche Besuch der Wassertalbahn im Norden Rumäniens auf dem Programm. Mit einer privaten Reisegruppe von Eisenbahnfreunden geht es samstags mit drei PKWs von Wien aus über die ungarische Autobahn M1 nach Budapest und weiter über die M3 vorbei an Nyíregyháza. Knapp vor dem Ende der Autobahn wechseln wir auf die Bundesstraße, welcher wir über Mátészalka Richtung der bereits in Rumänien gelegenen Stadt Satu Mare folgen. Wir passieren Satu Mare auf der nördlichen LKW-Umfahrung und fahren weiter über die Bundesstraße 19 teilweise knapp an der ukrainischen Grenze entlang nach Sighetu Marmaţiei. Im Stadtzentrum wechseln wir auf die Bundesstraße 18 und erreichen nach 8 bis 9 Stunden Fahrzeit und insgesamt drei Pässen den "Gara Mocăniţei" - den Bahnhof der Wassertalbahn in Vişeu de Sus in der Provinz Maramureș .

Wir treffen uns mit Daniel Andreica, unserem Freund und Betreuer für die folgenden Tage im "Elefant", dem kleinen, aber feinen Café und Museum gleich neben dem Bahnhofsgebäude.

Michael Heussler: Wassertalbahn Februar 2016 &emdash; Wassertalbahn Michael Heussler: Wassertalbahn Februar 2016 &emdash; Wassertalbahn

 

 

 

 

 

 

 

 

Das Museum beherbergt eine liebevoll gestaltete Ausstellung über die Geschichte und das Leben der Juden in Oberwischau, dem heutigen Vişeu de Sus. Zur herzlichen Begrüßung wird mit einem herzhaften Țuică (sprich: Tsujka), einem traditionellen Pflaumenschnaps angestoßen und auf das Gelingen der bevorstehenden Fototour getrunken. Die wichtigsten Informationen und aktuellsten Neuigkeiten werden ausgetauscht.

Michael Heussler: Wassertalbahn Februar 2016 &emdash; Wassertalbahn

Michael Heussler: Wassertalbahn Februar 2016 &emdash; Wassertalbahn

 

 

 

 

 

 

Anschließend geht es zum Abendessen ins Casa Bârsan. Wir wohnen seit jeher in dieser gemütlichen und familiären Pension direkt an der Wassertalbahn, welche von Vasile, einem Lokomotivführer der Waldbahn, und seiner Frau Irina liebevoll geführt wird. Wir werden herzlichst wie enge Familienmitglieder willkommen geheißen. Der Blick von der Terrasse auf die direkt vor dem Haus vorbei fahrenden Züge und Draisinen lassen das Herz jedes Eisenbahnfreundes höher schlagen.

Michael Heussler: Wassertalbahn Februar 2011 &emdash; Wassertalbahn Michael Heussler: Wassertalbahn Februar 2011 &emdash; Wassertalbahn

 

 

 

 

 

 

 



Nach einem gemütlichen Frühstück geht es ins Depot und zum Heizhaus, wo uns schon eine dampfende und qualmende Lokomotive erwartet. Die Holzvorräte werden noch in den "Tender", einem Güterwagen gleich hinter der Lok, geladen und die Garnitur endgültig zusammengestellt. Der dafür notwendige Verschub und die unverwechsliche Atmosphäre des Areals der Waldbahn bieten vielfältige und einmalige Motive für die ersten Fotos. Es ist Sonntag früh und es fahren daher heute keine "Produktionszüge", wie die werktäglichen Güterzüge mit Personenbeförderung genannt werden. Diese transportieren leere Trucks zu den Holzverladestellen tief im Tal und bringen im Winter frisches Heu für die Arbeitspferde, die teilweise noch für die Holzbringung eingesetzt werden. Weiters werden reparierte Radlader, Baumaterialien und Diesel für die Stromgeneratoren und Arbeismaschinen transportiert. Talauswärts geht es dann je nach Frachtanfall mit bis zu 30 beladenen Holztrucks mit maximal 10 km/h handgebremst ins Sägewerk nach Vişeu de Sus. Bis auf einzelne Draisinenfahrten gehört die Strecke uns und unserem Dampfzug. Es bleibt also genügend Zeit für etliche Fotohalte und Scheinanfahrten, bei denen der Zug unter beträchtlicher Rauch- und Dampfentwicklung laut pfeifend an den angetretenen begeisterten Fotografen vorbeifährt.

Michael Heussler: Wassertalbahn Februar 2016 &emdash; Wassertalbahn Keiner der Fahrgäste lässt sich dieses bei jedem Halt wiederholte Spektakel entgehen, ohne nicht eine ganze Reihe von Fotos geschossen zu haben. Nachdem der Zug vorsichtig zurück geschoben hat und alle Fotografen wieder eingestiegen sind, wird die Fahrt taleinwärts fortgesetzt.

Traditionell halten wir in Valea Skradei an einem direkt an der Bahnlinie gelegenen "Magazin mixed" - einer kleinen Gemischtwarenhandlung für alle Dinge des täglichen Bedarfs - um uns mit frisch aufgebrühtem Löskaffee mit einem ordentlichen Schuss Schnaps zu laben. Die Zugmannschaft erhält natürlich ebenfalls auf Wunsch Kaffee, allerdings ohne alkoholischer Beimengung.

Bei Bahnkilometer 12,5 erreichen wir die Einmündung des Seitenflusses Novăţ beim so genannten Novăţ-Delta. Hier befindet sich noch das alte Gleisdreieck, welches den Anschluss zur rund 13 km langen Seitenlinie nach Izvorul Cailor herstellte. Diese Zweiglinie wurde erst 1952 errichtet und ist nach gröberen Beschädigungen der Gleisanlagen bis 2008 schrittweise eingestellt worden.

Michael Heussler: Wassertalbahn Februar 2016 &emdash; Wassertalbahn Bis hierher begleitete uns auf der anderen Seite des Flusses Vaser (dt. Wasser) eine unbefestigte Forststraße. Alle Versuche, die Forststraße in das Wassertal zu verlängern, scheiterten an den beengten Platzverhältnissen (teilweise bleibt neben dem Fluss für die Waldbahn kaum Platz) und den schwierigen geologischen Verhältnissen. Ab hier ist die Wassertalbahn das einzige Transportmittel im Tal.

Das Gleisdreieck selbst ist jedes Jahr ein fixes Motiv für einen ausfühlichen Fotohalt.

Bei Kilometer 20,6 erreichen wir Novicior, wo in das Seitental zur wenige hundert Meter entfernten Holzverladestelle ein Anschlussgleis abzweigt. Um leere Trucks zur Verladestelle beistellen zu können, sind teilweise abenteuerliche Verschubmanöver mit Hand- und Seilverschub notwendig.

Der Zug fährt durch einen wunderschön gestalteten Torbogen und erreicht nun das Gebiet des Staatsforstes. Nach der Station Paltin, der Endstation der Touristenzüge mit einem kleinen Museum und großen offenen Holzlpavillons zur Essens- und Getränkeausgabe, erreichen wir nach kurzer Fahrt die einzigen drei Tunnels auf der Strecke, die ihrerseits wieder lohnende Fotomotive darstellen.

Michael Heussler: Wassertalbahn Februar 2016 &emdash; Wassertalbahn Michael Heussler: Wassertalbahn Februar 2016 &emdash; Wassertalbahn

 

 

 

 

 

 

 

 

In Şuligu befindet sich auf einer kleinen Anhöhe der erste Militärstützpunkt, da sich das Wassertal bis auf wenige Kilometer der Grenze zur Ukraine nähert. Kurz vor Făina, dem "Hauptort" an der Wassertalbahn, weitet sich das Tal. Etliche Forsthäuser und Unterkünfte für die Holzarbeiter sind hier zu finden. Die einfachen, neu errichteten Touristenunterkünfte wurden beim verheerenden Hochwasser 2008 zum Großteil zerstört.

  Fortsetzung folgt - hier geht´s zum zweiten Teil des Blogs

 

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